Dr. Josef Kertész, 24.03.2009: KONSEQUENT MARKTWIRTSCHAFTSKONFORME ORDNUNGEN FÜR EINE MENSCHENGERECHTE GESELLSCHAFT |
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Einführung |
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Bei Realwirtschaft und Finanzwirtschaft handelt es sich zwar ebenso nur um die zwei Seiten derselben Medaille, wie bei Marktwirtschaft und Kapitalismus, aber wenn die Dominanz jeweils bei ersteren liegt, gedeiht eine Gesellschaft, liegt sie bei letzteren, nimmt sie Schaden. Denn während in der Realwirtschaft erfolgreich ist, wer Produkte für die Konsumenten schafft, die ihnen beim Ver- oder Gebrauch subjektiv signifikant mehr Nutzen zu stiften versprechen, als es dem zu entrichtenden Preis entspricht, ein Versprechen, das bei Wettbewerb in der Regel effektiv auch eingelöst wird, ist in der Finanzwirtschaft, soweit sie über die finanzielle Bewertung der Realwirtschaft, ihre Versorgung mit Geld und Fremdwährungsabsicherungen hinaus geht, im wesentlichen erfolgreich, wer Produkte für Investoren schafft, welche diesen signifikant höhere Renditen versprechen, als es ihrem eingegangenen Risiko entspricht, ein Versprechen, das bei Markttransparenz in fairer Weise auf Dauer effektiv nicht einlösbar ist. Und das Determinierende der Marktwirtschaft besteht in der über Wettbewerb und Eigentumsrechte optimierten Ressourcenallokation, während der Kapitalismus auf die Mehrung des Kapitals als des wesentlichen Produktionsfaktors fokussiert ist und den arbeitenden Menschen primär als weiteren Produktionsfaktor versteht. Zur Vermeidung der Wiederholung von Weltwirtschaftskrisen und vor allem grundsätzlich für eine menschengerechte Gesellschaft bedarf es Ordnungen, welche die Dominanz der Realwirtschaft über die Finanzwirtschaft und der Marktwirtschaft über den Kapitalismus nachhaltig und verlässlich schützen. Marktwirtschaftskonforme Ordnungen sind anderen Ordnungen überlegen, weil sie systemisch wirken und damit keine unerwünschten Anreize entwickeln, welche laufend engere Regulierungen erforderlich machen, und weil sie ethisch sind, sofern jene Menschen, die im Wettbewerb nicht bestehen können, geschützt werden. Im Folgenden sollen als Gedankenanstoss entsprechende miteinander verwobene Ordnungen skizziert werden; teilweise wird eine konsequentere Umsetzung an sich schon lange anerkannter Prinzipien postuliert, teilweise eine völlige Neuordnung. Die Sicht soll nicht auf das politisch Machbare eingeengt sein, deshalb wird auch weder das Wie eines Überganges von den heutigen zu den postulierten Ordnungen noch die Abhängigkeit der postulierten Ordnungen von supranationalen Lösungen abgehandelt, und es wird bezüglich der Öffentlichen Hand auch nicht nach lokaler, regionaler und nationaler Ebene differenziert; eine Umsetzung der postulierten Ordnungen ist so lange undenkbar, als dass nicht historisch gewachsene, Partikularinteressen bedienende und von fokussierter Lobbyarbeit gestützte Strukturen aufgebrochen werden. Dabei wird hier nicht der Anspruch erhoben, alle für eine menschengerechte Ordnung relevanten Bereiche darzustellen; es sollen jene Bereiche behandelt werden, welche heute die grössten Engpässe darstellen. Auch wird nicht der Anspruch erhoben, die jeweiligen Bereiche vollständig abzuhandeln; es sollen jeweils nur die Grundlagenelemente dargestellt werden; um dabei vorerst einer Debatte entlang den Fronten von wem nützt es / wem schadet es entgegenzuwirken, sollte eine entwurfsweise Ausformulierung der Ordnungen in Verfassungs- und Gesetzestexte und ein grössenordnungsmässiger Berechnungsversuch der finanziellen Folgen der Umsetzung der einzelnen Ordnungen für die verschiedenen Interessengruppen erst nach einer Debatte über die Richtigkeit der postulierten Ordnungen an sich erfolgen, weil ansonsten die Ordnungspolitik der Interessenpolitik unterliegt und weil Risiken schwerer empfunden werden als Chancen. Zudem wird nicht der Anspruch erhoben, die formulierten Ordnungen seien jeweils ohne systemkonforme marktwirtschaftliche Alternativen. Schliesslich wird ebenso wenig der Anspruch auf Nachteilsfreiheit der formulierten Ordnungen erhoben; es sollen Lösungen skizziert werden, die im Vergleich zu den gegenwärtigen Lösungen per Saldo signifikante Vorteile hinsichtlich Wohlfahrt, Gerechtigkeit und Freiheit aufweisen; sofern die postulierten Regulierungen Unternehmen betreffen, werden sie meist auf Juristische Personen beschränkt. Bei allen Ordnungen wird ihrer Geradlinigkeit überragende Bedeutung beigemessen und damit die Komplexitätsarmut gegenüber einer feinsteuernden Perfektionierung priorisiert. |
